„Vision Zero“ – Interkommunaler Arbeitskreis Verkehrssicherheit …

… für ein zivilisiertes und kooperatives Fahrverhalten

Initiatoren sind Horst Wiegand, Vorsitzender SPD-OV Pöcking/Feldafing und unser Vorstandsmitglied Dr. Sven Nissen-Meyer

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Dr. Sven Nissen-Meyer
HorstWiegand
Horst Wiegand

KEINE VERKEHRSTOTEN MEHR … das ist das Ziel der Arbeitsgemeinschaft auf Kreisebene, die federführend von unserem Vorstandsmitglied Dr. Sven Nissen-Meyer und dem Ortsvereinsvorsitzenden von Pöcking/Feldafing Horst Wiegand auf bundesdeutsche Verhältnisse umgemünzt wurde. In diesem Zusammenhang entstand auch der Vorschlag für ein zeitlich begrenztes, verkehrstechnisches Experiment im Landkreis STA (siehe unten). Seit Beginn des Jahres 2016 sind Dr. Sven Nissen-Meyer und Horst Wiegand kreisweit in den SPD-Ortsvereinen unterwegs, um ihr Konzept für mehr Verkehrssicherheit vorzustellen.

Im Folgenden lesen Sie die Inhalte der Präsentation.

Inhalt

  1. Was ist „Vision Zero“?
  2. Geschichte der Tempolimits und Todesfälle in der BRD.
  3. Unfälle und Unfallursachen in Bayern (BY)
  4. Geht „Vision Zero“ auch in BY?
  5. Unsere Vorschläge für einen Modellversuch
  6. Fazit
  7. Gegenargumente
  8. Weiterführende Infos

1. Was ist „Vision Zero“?

Ursprung „Vision Zero“

  • 1997: Auftrag an schwedischen Staat, vom schwedischen Parlament
    angeordnet: Ab 2050 soll auf schwedischen Straßen niemand mehr getötet oder schwer verletzt werden
  • Unfallvermeidung ist ein gesellschaftliche Aufgabe.
  • Kleine Sternstunde der Demokratie: Volksvertretung sagt dem Staat
    was er zu tun hat und er tut es!
  • Radikalste Verkehrspolitik der Welt (DER SPIEGEL)

Der schwedische Weg: Grundsätze

  • Der Mensch macht Fehler
  • Das System Verkehr muss mit diesen Fehlern rechnen und sie
    verzeihen
  • Nicht nur Unfallbeteiligte tragen Verantwortung, sondern
    Unfallvermeidung wird zur gesellschaftlichen Aufgabe
  • Belastbarkeitsgrenzen des menschlichen Körpers sind der
    entscheidende Maßstab
  • Unfallfolgen dürfen auch im schlimmsten Falle nicht mehr tödlich sein
  • Triviale, aber wichtige Erkenntnis:

Keine noch so gute Verkehrserziehung,
keine noch so guten Autos und
keine noch so guten Straßen können physikalische und biologische Gesetze außer Kraft setzen, bzgl. der Zerstörung von Leben und Eigentum UND bzgl. schädlicher Emissionen.

Bremswege und Zerstörungskräfte, innerorts

bremswege-und-zerstoerungskraefte-innerorts

Bremswege und Zerstörungskräfte, Autobahnen

bremswege-und-zerstoerungskraefte-autobahnen

Diese Erkenntnis muss bei Lösungsansätzen berücksichtigt werden

  • Autohersteller müssen ihre Fahrzeuge anpassen
  • Straßenbau die Infrastruktur anpassen
  • Gesetzgeber die Vorschriften anpassen

Seit 1997 werden in Schweden umgebaut und umgestellt:

  • Verkehrsnetz
  • Gesetze
  • Behördenarbeit
  • Haltung zum Verkehr
  • Alle Unfälle mit Toten / Verletzten werden analysiert insbes. bzgl.
    der Frage: Wodurch wäre der Unfall zu verhindern gewesen?

2. Geschichte der Tempolimits und Todesfälle in der BRD

Geschichte der Tempolimits (1)

Titelgeschichte des SPIEGEL, 42/1956

Zitat ADAC, im Einklang mit  Autoindustrie und Politik
(bis auf Oskar Rümmele, CDU):

„Der Fortschritt der Technik hat zweifellos dazu beigetragen, das menschliche Leben zu erleichtern und zu verlängern, aber der Fortschritt der Zivilisation kostet auch Opfer.  Das ist die schmerzliche Kehrseite, aber man sollte sie nicht dramatisieren.“

Geschichte der Tempolimits (2)

Ab 1956:  50 km/h in geschlossenen Ortschaften,
zuvor galt die Regel „Angepasstes Fahren“,
was so viel wie  „Tempo nach Gutdünken“ heißt

Ab 1972: Tempo 100 km/h auf Landstraßen

Ab 1974: Richtgeschwindigkeit 130 km/h auf Autobahnen

1983: erstmals Modellversuche mit  30 km/h

Geschichte der Todesfälle im Autoverkehr in BRD (3)

  • Anfang 1970er Jahre:  jeden Tag im Mittel 54 Tote
  • 1970: 19.224 Tote, 531.795 Verletzte im Jahr !
  • 2014 starben 9 Menschen täglich, insgesamt 3.368

Wir akzeptieren immer noch jedes Jahr ein 9/11 im Straßenverkehr als unvermeidlichen Kollateralschaden !!

  • Jeder Tote ist einer zuviel (Kurt Eisner)

weltweite-todesfaelle-im-vergleich

3. Unfälle und Unfallursachen in BY

Unfallzahlen von 2015 in BY, vgl. zu 2014

  • 391.125 Verkehrsunfälle                                     +6%
  • 71.161 Verletzte                                                +1600
  • 111.799 Unfälle auf Landstraßen                     +10%
  • 614 Tote                                                                    -9%
  • davon 393 auf Landstraßen                            +/- 0%
  • 29.708 Unfälle auf Autobahnen                          +9%
  • 84  Tote auf Autobahnen                                     +12
  • 250.000 innerorts Unfälle                                     +3,7%
  • 137 Tote innerorts                                                  -17

aus der SZ vom 23.2.2016 Bayern-Teil

Hauptursache für tödliche Unfälle in BY 2015:

  • Überhöhte Geschwindigkeit                           177 Mal
  • Auto von Fahrbahn abgekommen                162 Mal
  • Missachten von Vorfahrt                                  90 Mal
  • Alkohol                                                                 49 Mal

Frage:

Welche Überlagerungen von Faktoren haben bei diesen Unfällen wichtige Rollen gespielt?

beispiel-mehrere-faktoren-im-spiel

A 95 München — Garmisch

die-raser-autobahn

unfalldaten-autobahnen-by

 

 

4. Geht „Vision Zero“ auch in Bayern? Unsere Vorschläge für einen Modellversuch

Zunächst mal grund(ge)s(e)tzlich:

  • Es gibt das Grundrecht eines jeden auf Leben und körperliche Unversehrtheit. ( GG, Art. 2, Abs. 2)
  • Das heißt, der Staat und seine demokratischen Organe sind in der Bringschuld.

Ziele des AK „Vision Zero“ im Kreis Starnberg

  • Wir schlagen Regierung und Behörden ein Experiment auf 1-3 Jahre
    vor, mit dem Ziel, Todesfälle und schwere Verletzungen gegen null zu
    drücken
  • Auswertung von Unfällen mit Zielsetzung, konsequente
    Vermeidungsstrategien zu entwickeln
  • Beobachtungen kritischer Verkehrsflächen, um proaktiv Unfallvermeidungsmaßnahmen zu entwickeln
  • Mehr Kontrollen ohne Vorankündigung, mobil oder mit fest installierten
    Kameras

Zunächst: Vorgehen nach Pareto-Prinzip:
80% der Ziele mit 20% Aufwand erreichen

Vorschläge für Ortschaften

  • Einrichtung von Tempo-30 und – 40-Zonen in Kommunen soll – auch
    auf Staatsstraßen – allein der kommunalen Selbstverwaltung obliegen,
    so wie in Baden-Württemberg und Thüringen
  • diese Zonen  kontrollieren
  • vermehrt Begegnungszonen schaffen
  • Zebrastreifen mit 30 km/h und Geschwindigkeitskontrolle
    →  „Vorfahrt“ für Fußgänger

Erkenntnisse zu Tempo 30 innerorts

Beispiel Stadt Graz:  Tempo 30 seit 1991.

  • Umfragen  (ADFC) ergeben: 80% der Fußgänger, 65% der Autofahrer befürworten Maßnahme, da
    mehr Sicherheit besonders für Fußgänger und Radfahrer
  • weniger Schadstoffe und Lärm und damit verbesserte Nachtruhe
  • weniger Stress für alle
  • weniger  aggressives Fahrverhalten
  • Verkehrsfluss bei 30 km/h nur ca. 8% langsamer als bei 50 km/h

Beispiel Schweiz, Prognos Studie (2001):

Auswirkungen einer flächendeckenden Einführung von Tempo 30 innerorts auf die Unfallzahlen in der Schweiz: Halbierung der tödlichen Unfälle nach einfachen baulichen Maßnahmen!

Vorschläge für  Landstraßen in Bayern/Deutschland:

  • auf Landstraßen in STA: 70 bis 80 km/h generell ausgeschildert:
    wie vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat 2015 empfohlen
  • gefährliche Stellen auf Landstraßen identifizieren und proaktive,
    unfallverhindernde Maßnahmen vorschlagen, wie
  • reduziertes Tempo mit Kontrollen an schmalen, kurvigen Straßen,
    z.B. zwischen Drößling und Perchting
  • Überholverbot bei Kreuzungen, Einmündungen.
    z.B. Einmündung Seestr. in Inninger Str., Hechendorf
  • Zebrastreifen wo notwendig, mit 30 km/h und Radar
    „Vorfahrt“ für Fußgänger
  • auf gut ausgebauten, übersichtlichen Landstraßen kann auch 90 oder
    100 km/h explizit ausgeschildert  werden

Vorschlag für Autobahn A 95:

130  km/h von München bis GAP, für etwa zwei Jahre, um die Entwicklung der Unfälle zu analysieren, insbes. bzgl. multifaktorielle Ursachen

  –  Reduktion von CO2-Emissionen und Energieverbrauch

https://www.htwsaar.de/forschung-transfer-neu/forschung-
transfer/publikationen/berichte/ingwi/studie-zur-reduzierung-der-co2-emissionen-durch-eine-geschwindigkeitsbegrenzung-auf-bab

  –  Eine Autobahn ist keine Rennstrecke

  –  Kein deutscher und kein ausländischer Fahrer lernt in der Fahrschule,
Autos bei beliebig hohem Tempo korrekt zu hantieren, insbesondere
nicht in Notsituationen

sz-im-land-der-raser
 entwicklung-der-treibhausgasemissionene-in-deutschland

Weitergehende, allgemeine Vorschläge

–  Reflektoren oder selbstreflektierende Kleidung  wie in Finnland für
Fußgänger und Radfahrer

–  NULL Promille Alkohol
(bei 0,5 Promille: doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit in einen Unfall
verwickelt zu werden)

Konkrete Verbesserungen im KFZ

Neue Assistenzsysteme im Auto

–  Fahrzeuge mit Notbremsassistenten vermeiden 38% der Auffahrunfälle
im Vergleich zu adäquaten Modellen ohne

(Quelle: Euro NCAP-Crashtest Organisation)

–  Neue Generationen davon greifen auch bei höheren Geschwindigkeiten
und erkennen einscherende KFZ.
Mit derart ausgerüsteten Autos könnten künftig ca. 67% aller
Auffahrunfälle vermieden werden.“

(Quelle: Johann Gwehenberger, Unfallforschung der Allianz)

–  Sollte Grundausstattung bei neuen PKW und LKW werden

nach-auffahrunfaellen-mai-2016-vehemente-plaedoyers-fuer

 6. Fazit

Es geht um

–  Menschenleben und Eigentum

–  Reduktion von CO2- und NOx-Emissionen, Feinstaub, Spritverbrauch

–  Einen gleichberechtigten und zivilen Umgang unter allen
Verkehrsteilnehmern und  Anwohnern

Es geht nicht um

–  Gängelei der Autofahrer

–  Abzocke des Staates bei verkehrswidrigem Verhalten

7. Welche rationalen Gegenargumente gibt es?

Wir kennen keine!

8. Weiterführende Infos:

http://spd-seefeld-oberbayern.de/   →   Pilsensee Nachrichten
oder direkt:

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